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Bedarfsorientierte Budgetierung im Schulbereich

Ein Instrument zur Erhöhung von Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit

Das Prinzip der Münchner Förderformel im vorschulischen Bereich wird mit der Bedarfsorientierten Budgetierung und dem Erweiterten Sachaufwand in der Schulfinanzierung fortgeführt. Damit werden pädagogische Ressourcen bedarfsorientiert gesteuert, um dem engen Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungserfolg entgegenzuwirken. Dies gilt sowohl für kommunale Schulen in Trägerschaft der Landeshauptstadt München als auch für staatliche Schulen im Rahmen einer erweiterten Schulaufwandsträgerschaft.

Die Landeshauptstadt investiert in und gestaltet Schulbildung in München

Als größte kommunale Schulträgerin in Deutschland befinden sich 124 Schulen in städtischer Trägerschaft, 36 allgemeinbildende Schulen, 85 berufliche Schulen und drei Schulen des zweiten Bildungswegs (Stand 2019). Darüber hinaus ist die Landeshauptstadt München – wie andere Kommunen auch – Schulaufwandsträgerin für alle öffentlichen Schulen (neben den städtischen Schulen auch für die staatlichen).

Als freiwillige Leistung investiert die Landeshauptstadt München für eine bedarfsorientierte Ressourcensteuerung im Schulbereich jährlich ca. 3,5 Millionen Euro in die allgemeinbildenden Schulen und weitere ca. 2,5 Millionen Euro in die berufliche Bildung. Die Landeshauptstadt drückt damit ihren Gestaltungswillen für mehr Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit aus.

Bedarfsorientierte Budgetierung für kommunale Schulen

Bei ihren eigenen Schulen verfügt die Landeshauptstadt München über Steuerungsmöglichkeiten bzgl. des Einsatzes von Lehrkräftepersonal. Über die Bedarfsorientierte Budgetierung werden städtische Schulen mit zusätzlichen Lehrerwochenstunden ausgestattet. Diese sollen für eine weitergehende Individualisierung von Unterrichts- und Förderangeboten genutzt werden, um bestehende Bildungsbenachteiligungen auszugleichen. Neben fachlichen Förderangeboten insbesondere im Deutschunterricht und weiteren Kernfächern (z. B. durch Klassenteilung, Teamteaching, Zusatzunterricht) sollen auch Lern- und Sozialkompetenzen gestärkt werden (z. B. durch systemisches Schülercoaching, Sozialpädagogik an Schulen). Im Bereich der beruflichen Bildung werden die Stunden auch in der fachtheoretischen Ausbildung eingesetzt. Voraussetzung für alle Fördermaßnahmen ist, dass sie sich an bildungsbenachteiligte Schülerinnen und Schüler richten und die Erhöhung des Bildungserfolgs zum Ziel haben.

Um den Handlungsspielraum der Schulen zu erhöhen, können die Lehrerwochenstunden teilweise in Finanzmittel umgewandelt werden, um damit anstelle von Lehrkräftepersonal weitere Fördermaßnahmen, z. B. Sozialpädagogik an Schulen oder Honorarkräfte, zu finanzieren.

Das Pädagogische Institut – Zentrum für Kommunales Bildungsmanagement unterstützt die Umsetzung mit entsprechenden Fortbildungsangeboten (z. B. Ausbildung von Lehrkräften zu systemischen Schülercoaches, Zusatzqualifikation „Schule der Vielfalt“, Prozessbegleitung für Lehrkräfte in Klassen mit Bedarfsorientierter Budgetierung).

Bedarfsorientierte Budgetierung für alle städtischen allgemeinbildenden und 34 berufliche Schulen

Die Bedarfsorientierte Budgetierung wurde zum Schuljahr 2012-13 zunächst an vier städtischen allgemeinbildenden Schulen eingeführt (zwei Realschulen und zwei Gymnasien). Die Pilotphase wurde vom Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) wissenschaftlich begleitet. Die Studie wurde im Rahmen des Programms „Lernen vor Ort“ mit Fördermitteln des Bundes sowie des Europäischen Sozialfonds und aus Eigenmitteln der Landeshauptstadt finanziert.

Bereits mit dem Schuljahr 2013-14 erfolgte der stufenweise Ausbau auf alle städtischen allgemeinbildenden Schulen und die beiden städtischen Wirtschaftsschulen, der mit dem Schuljahr 2016-17 abgeschlossen wurde. Entsprechend der sozialen Lage der Schülerschaft werden die zusätzlichen Lehrerwochenstunden nach Bedarf auf die Schulen verteilt. Schulen in Stadtquartieren mit großen Herausforderungen erhalten deutlich mehr Stunden als Schulen in Stadtgebieten, die eine privilegiertere Schülerschaft anziehen. Grundlage für die Einteilung der Schulen ist der Sozialindex des Statistischen Amtes.

Die Fortführung in der beruflichen Bildung ermöglichten zwei weitere Stadtratsbeschlüsse: Zum Schuljahr 2016-17 wurde die Bedarfsorientierte Budgetierung zunächst an 12 städtischen Berufsschulen eingeführt. Zusätzliche Ressourcen erhalten Ausbildungsberufe, die durch einen überdurchschnittlichen Anteil an Auszubildenden mit geringer schulischer Vorbildung sowie hohe Migrationsanteile, hohe Abbruchquoten und niedrige Prüfungserfolgsquoten gekennzeichnet sind (z. B. Bäcker, Friseure, Verkäufer, medizinische Fachangestellte). Die Umsetzung wird von Prof. Dr. Euler (Universität St. Gallen) dreieinhalb Jahre lang wissenschaftlich begleitet (2018 bis 2021).

Zum Schuljahr 2019-20 werden 22 weitere städtische berufliche Schulen, die durch eine große Heterogenität in der Schülerschaft herausgefordert sind, in die Fördersystematik der Bedarfsorientierten Budgetierung einbezogen (neben weiteren Berufsschulen auch Berufsfachschulen, Fachschulen sowie sämtliche städtische Fach- und Berufsoberschulen). Dann deckt die Bedarfsorientierte Budgetierung neben allen städtischen allgemeinbildenden Schulen auch mehr als ein Drittel der städtischen beruflichen Schulen ab (36 von 85).

Erweiterter Sachaufwand für besonders belastete staatliche Schulen

Der Erweiterte Sachaufwand für staatliche Grund- und Mittelschulen mit besonderen Belastungen wurde im Rahmen der Pilotphase der Bedarfsorientierten Budgetierung erprobt. In die wissenschaftliche Begleitung durch das ISB einbezogen waren auch acht staatliche Schulen mit zusätzlichen Stundenzuweisungen aus dem Staatlichen Integrationszuschlag (sechs Grundschulen, zwei Mittelschulen).

Beim Staatlichen Integrationszuschlag handelt es sich um ein Förderinstrument für Grund- und Mittelschulen in Ballungsräumen des Freistaats. Der Staatliche Integrationszuschlag wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus zeitgleich zur Bedarfsorientierten Budgetierung der Landeshauptstadt München eingeführt. Auch er verfolgt das Ziel, unabhängig von der Herkunft gleiche Teilhabechancen zu schaffen.

In 2017 hat der Münchner Stadtrat beschlossen, den Erweiterten Sachaufwand zu verstetigen. Die in die Förderung einbezogenen Grund- und Mittelschulen werden datenbasiert ermittelt. Der Erweiterte Sachaufwand dient der Flankierung zusätzlicher Stundenzuweisungen durch das Staatliche Schulamt. Damit können Schülerprojekte (zur Förderung der kulturellen Teilhabe, an außerschulischen Lernorten etc.), Projekte zur Unterstützung der Elternarbeit, aber auch Fachimpulse für die Lehrkräfte zum Umgang mit Bildungsungleichheiten finanziert werden.

Wirkungsorientierte Bildungssteuerung im Schulbereich

Die Stabsstelle Kommunales Bildungsmanagement koordiniert die Umsetzung einer bedarfsorientierten Ressourcensteuerung im Schulbereich entlang folgender Prozessschritte:

  • Vergabe der Haushaltsmittel nach transparenten Kriterien; turnusmäßige Überprüfung und Anpassung der zugewiesenen Ressourcen bei sich verändernden Ausgangslagen
  • Begleitung der Umsetzung und Weiterentwicklung der Fördermaßnahmen auf Grundlage der Erkenntnisse der wissenschaftlichen Begleitung
  • Monitoring der Umsetzung und der Wirkungen
  • Unterstützung des Erfahrungs- und Wissenstransfers zwischen den Schulen
  • Referatsübergreifende Vernetzung der Akteure in der städtischen Verwaltung
  • Festigung der kommunalen Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen

Eine institutionenübergreifende Begleitkommission zur Bedarfsorientierten Budgetierung wurde 2012 eingerichtet. Das Gremium begleitet die Umsetzung auf Leitungsebene.


Stadtratsbeschlüsse

Bedarfsorientierte Budgetierung an städtischen allgemeinbildenden Schulen

2017: Weiterentwicklung der Fördermaßnahmen mit Schwerpunkt Wirkungsoptimierung und Verstetigung Erweiterter Sachaufwand

2013: Zwischenbericht und Vergabe einer wissenschaftlichen Begleitung

2013: Ausweitung auf alle Schulen (inkl. Wirtschaftsschulen)

2012: Einführung an vier Schulstandorten (Pilotbeschluss)

Bedarfsorientierte Budgetierung in der beruflichen Bildung

2018: Ausweitung auf berufliche Schulen mit heterogener Schülerschaft

2016: Einführung an ausgewählten Berufsschulen


Wissenschaftliche Begleitung

Abschlussbericht ISB

Stabsstelle Kommunales Bildungsmanagement – Kontakt

Leitung:
Wolfgang Brehmer
E-Mail: wolfgang.brehmer[at]muenchen.de

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