Der Alltag hat uns wieder. Dennoch sind die Eindrücke, die wir in Edinburgh sammeln durften, noch sehr präsent. Die wunderschöne Stadt, die sich mit ihren alten Gebäuden prachtvoll und beeindruckend präsentiert und einen Hauch Royalität ausstrahlt.
Jedoch standen nicht die Stadt- und Schlossbesichtigung im Fokus. Neben Programmpunkten zur politischen Struktur Schottlands, dem Besuch des Parlaments und dem Empfang durch den Bürgermeister von Edinburgh, Lord Provost Robert Aldridge, war der Schwerpunkt dieser Reise das Bildungssystem in Schottland und der Umgang mit Vielfalt und Inklusion. Die Grundidee der Inklusion, die Einführung in das schottische Schulsystem sowie die dazugehörigen Konzepte wurden uns von Frau Bethan Owen, Bildungsreferentin der Stadt Edinburgh für Fremdsprachen, und Frau Dr. Lynne Binnie, Leiterin des Bereichs Bildung/Inklusion, nähergebracht. Zugleich wurde deutlich, dass Theorie und Praxis nicht immer deckungsgleich sind. So weicht die reale Klassengröße oft von konzeptionellen Vorgaben ab. Weiter ist unter anderem leider auch hier der Bildungserfolg von Schüler*innen vom Wohnort und der damit verbundenen Schulnähe abhängig.
Einen direkten Einblick in den Schulalltag erhielten wir durch Besuche der Bruntsfield Primary School, der Boroughmuir High School und der Craigmount High School. Besonders beeindruckend war der Bereich Wellbeing Hub und Learning Hub. Aufgrund der anders strukturierten High School ermöglicht das Konzept den Kindern, je nach individuellem Bedarf sich eine well-being time – Wohlfühl-Auszeit – zu nehmen. Diese ist ganz auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder, vor allem Kinder mit special needs (dies ist für mich persönlich ein wesentlich schönerer und passenderer Ausdruck als Kinder mit Förderbedarf) ausgerichtet. Alle Kinder werden gemeinsam unterrichtet. Das kann bedeuten, dass einzelne Lernende separat arbeiten, während andere in Kleingruppen interagieren oder sich einzelne Schülerinnen und Schüler Zeit für well-being oder im Learning Hub nehmen. Das geschieht in engem Austausch mit Eltern, Lehrkräften und Schulpsychologen. Transparente, partizipative Kommunikation aller Beteiligten bildet eine Grundsäule gelingender Bildungsarbeit.
Die Rückmeldungen der Kinder waren deutlich: Sie gehen gerne in die Schule, weil es vielfältige Angebote gibt, die ihren Interessen entsprechen – von Naturwissenschaften über Sprachen und Sport bis hin zu künstlerischen, musikalischen und sozialen Projekten. Besonders hervorzuheben ist das Fach „Drama“, in dem die sozialen Kompetenzen der Kinder erlebt, erprobt und gestärkt werden.
Zwei volle Schultage, an denen wir als Gäste unterschiedlichen Unterrichtssituationen beiwohnten, empfanden wir stellenweise deutlich ermüdender als das Arbeiten im eigenen schulischen Umfeld. Dennoch nahmen wir viele wertvolle Eindrücke und Lernmomente mit.
Die Eindrücke zeigen eine regelmäßig positive, inklusive und schülerzentrierte Ausprägung des schottischen Bildungssystems, wobei das inklusive Konzept sicherlich noch breitflächiger gestreut werden kann und muss.(Autorin und Teilnehmerin: Heidi Rehberg)